Trends schaffen
Von dem neuen alten Luxus
und dem
alten neuen Luxus
Es ist schwer sich heute als echter Gourmet zu definieren. Vor allem: wer ist die Instanz, die für die ultimative Bestätigung meiner optimalen Gourmet- Leistung sorgt?
Wie einfach war es in der Vergangenheit, wo die Gleichung Bekannter Name+ Nobles Ambiente+ makelloser Service+ kostbare Weinvorräte+ unendliches Defilee der Vorspeisen-, Dessert-, Käsewägen+ Menüs mit Steinbutt, Gänsestopfleber, Kaviar, Trüffel, Hummer und Blattgold in der Summe die Bestätigung des eigenen erlesenen Geschmacks ergab. Wie soll ich nun diesen Nimbus halten, wenn ein Menü mit den genannten Komponenten zweifelsohne schmeckt, doch eher meine Ignoranz der aktuellen Umweltprobleme demonstriert? Sind die Produkte aber wirklich luxuriös? Wo ich vor Weihnachten auch in jedem Discounter diese finden kann? In Qualität, Herkunft und Beschaffenheit, die sich stark an den Mainstream richtet und diesen auch bedient. Luxus meilenweit verfehlt.
Ist jetzt die komplette Umkehr das neue Nonplusultra? Ein Geheimtipp aus der Branche, ein Koch, der selbst gärtnert, töpfert, buttert, schlachtet, fermentiert, bedient und womöglich noch sein eigenes Biogas produziert? Naturweine serviert und statt einer Tischdecke an die gebrauchte Patina des auf dem Flohmarkt gekauften Tisches hinweist? Sicher, es hat was. Doch wozu ist eigentlich Luxus da- um uns verwöhnen, oder zu erziehen? Oder ist Luxus das, was als Ziel unseres Strebens ist?
Die Luxusprodukte von gestern sind die Mainstreamprodukte von heute, in einer Masse und Form, dass sie jeglichen Nimbus des Besonderen verloren haben. Sie sind bezahlbar. Und genau hier sind wir: Luxus ist das, was Wert hat. Und Wert lässt sich mit Geld nicht beziffern, denn Wert ist die Währung unseres Bewusstseins. Luxus ist das, was uns in dem Alltag oft fehlt und was wir gerne hätten. Mal ist es Zeit, Raum, Freiheit, Zuwendung oder Gesellschaft. Und je nach dem, was wir begehren, wird sich auch unser Empfinden von Luxus definieren. Hinter dem Wunsch auf einer Alm mit einem Jausenbrett mit Produkten aus dem Bauernhof und der nahen gelegenen urigen Brauerei liegt die tiefe Sehnsucht. So liegt die Instanz für unseres Luxusempfinden tief in uns selbst.
Gut, dass wir noch eine sehr bunte gastronomische Landschaft haben. So findet jedermann und jederfrau die passenden Sehnsuchtsorte. Und noch besser: wir treffen dort weitere Gäste, die wahrscheinlich ähnlich empfinden und dasselbe suchen wie wir selbst. So war und wird die Gastronomie immer der Ort des tiefen Glücks sein, dank den Gastgebern und Gastgeberinnen, die diese Orte für uns schaffen. Dass es auch so bleibt müssen wir die Ausbildung der jungen Köche und Köchinnen und insgesamt aller Berufe in Hotellerie und Gastronomie unterstützen: es ist die beste Investition in unsere eigene glückliche Zukunft.
Es grüßt euch eure
Marketa Schellenberg
Ein Beitrag von Marketa Schellenberg, Projektmanagerin Nachhaltigkeit bei Beratung & Konzept /TransGourmet, Dozentin für Plant based Küche und Vize Präsidentin Ost in VKD e.V